Erste Eindrücke zu Scrapland

American McGee's Scrapland wurde einmal von IGN als inoffizieller Nachfolger zu Beyond Good & Evil bezeichnet und nun, nach ein paar Stunden Spiel- und Eingewöhungszeit, muß ich sagen, daß man die Spiele irgendwie schon miteinander vergleichen kann.

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Scrapland ist eine zivilisierte Robotterwelt, die aus dem entstand, was Menschen als Müllhalde hinterlassen haben. Aus diesem Grund wurde der Name gewählt und aus diesem Grund ist es Menschen auch nicht erlaubt Scrapland zu betreten. Man erzählt sich die skurrilsten Geschichten über die Menschen: sie seien Monster, die eine Schleimspur hinterlassen, mit den Stilettos in der Öffnung namens Mund alles zu Matsch zermalmen und daß der blose Kontakt mit solch einem Menschen zum sofortigen Tode führt.

Scrapland ist eine lebendige Welt in der immer etwas los ist. Auf den Straßen regiert das Chaos und es passiert nicht selten, daß man wider Willen in eine Straßenschlacht gelangt. Da sollte man dann schleunigst verschwinden, denn so ein Querschläger ist schnell eingesteckt. Aber auch in den Gebäuden (derer gibt es an die 10) geht es wild zur Sache. Hunderte skuriller Gestalten tummeln sich auf engstem Raum und gehen ihren Arbeiten nach. Dabei sind vor Allem die Banker lästig, da sie die Fähigkeit besitzen einem das Geld aus der Tasche zu ziehen. Im wahrsten Sinne des Wortes.

Aber auch die Polizisten haben es dick hinter den Ohren: da wird man schonmal auf der offenen Straße von eimen der kleinen Cops "höflich" danach geben, ihn zu bestechen. Einmal kurz um die Ecke geguckt und schon kann es sein, daß man zwei oder mehrere der großen Cops sieht, die sich gegenseitig die Fresse polieren. Was den Vorteil mit sich bringt, daß wir die Batterien, die sie bei Zerstörung verlieren, aufsammeln können. Die brauch wir nämlich bei unseren Verwandlungen.

Und derer gibt es viele! Überall auf die Gebäude verstreut gibt es Terminals für "The Great Database", einem zentralen Punkt an dem die Matrix jedes Robotters auf Scrapland hinterlegt wird und dieser somit, genügend Extraleben vorausgesetzt, jederzeit wiederbelebt werden kann. Die Extraleben kann man bei den Bischöfen kaufen: fette, korrupte Robotter in Rosa. Wie im echten Leben halt auch.

An diesen Terminals kann sich D-Tritus in alles mögliche verwandeln: sich selbst, einen kleinen Cop, eine Krankenschwester, einen Banker, einen kleinen springenden Stopler, der in jede Öffnung passt, einen Beholder, die sog. Denunzianten auf Scrapland, den Bürgermeister der Stadt, einen bewaffneten Cop, einen Bischof, einen Messenger, einen Funktionär, Betty, die sexy Reporterin, Berto, der Patrick von Scrapland, den Polizeichef, oder den Chef der Banker, der gleich mehreren Robottern gleichzeitig das Geld aus der Tasche ziehen kann.

Bei diesen Verwandlungen erweckt man aber das Interesse der Beholder, die einen ab diesem Zeitpunkt ganz genau unter die Lupe nehmen. Denunziert ist man dann auch schnell und schon hat man ein ganzes Heer an bewaffneten Cops auf den Fersen. Da hilft nur sich schnellstmöglich zu verstecken oder die Gestalt eines anderen Wesens anzunehmen.

Die Möglichkeit die Gestalt anderer Robotter anzunehmen ist ein zentrales Spielelement in Scrapland. In einigen Missionen muß man in die Rolle des entsprechenden Scraplandbewohners schlüpfen, um seine Aufgaben erfüllen zu können. Das macht die Missionen auch schön abwechslungsreich. Der Rest des Spieles besteht aus Rennen oder Kämpfen mit dem eigenen Gunship. Während man noch mit einem mikrigen, schlecht ausgestatteten Schiff beginnt, kann man im Laufe des Spieles Pläne sammeln, die viele nützliche Upgrades oder neue Schiffstypen zur Verfügung stellen. Somit kann man sich bis zu 9 verschiedene Schiffe zusammenbasteln.

Das empfielt sich auch, denn ein Schiff, das sich für Rennen besonders gut eignet, sollte möglichst leicht sein und kann auf einen dicken Panzer und verschiedene Waffensysteme verzichten. Im Gegensatz dazu sollte ein Kampfschiff möglichst gut ausgerüstet sein. Da spielt die Geschwindigkeit nur eine zweitrangige Rolle.

Bei allen Missionen wird man durch eine kleine Karte links unten unterstützt, die mit gelben Pfeilen immer das oder die nächsten Missionsziele anzeigt und den Weg zum Schiffsbauer, zur Gambling Ptich oder zum eigenen Arbeitgeber. Leider ist die Karte nicht immer hilfreich auf Scrapland: da sich die Welt über mehrere Ebenen verteilt, saust man öffters mal an seinem Ziel vorbei oder verpasst die richtige Ausfahrt. Hier wäre es sehr schön gewesen, wenn Entwickler Mercury Steam die Möglichkeit geschaffen hätte im Pausemenü die komplette Karte des aktuellen Gebietes zu betrachten.

Grafisch gibt sich Scrapland keine Blöse. Es schaut sehr hübsch aus, ist liebevoll gestaltet und animiert und die Engine glänzt mit Partikeleffekten. Was leider auch dazu führt, daß das Spielgeschehen hin und wieder ins Ruckeln gerät. Das wirkt sich aber zum Glück nur sehr selten auf den Spielfluß aus. Auch Soundtechnisch gibt es wenig zu meckern: die Synchronstimmen sind gut gewählt, die Musik hält sich dezent im Hintergrund und ist nicht aufdringlich. Auch Handbuch und Verpackung wissen zu gefallen. In dieser Hinsicht könnten sich einige Bigs wie EA oder Sega gerne mal eine Scheibe abschneiden!

Mit der Steuerung hatte ich anfänglich meine Probleme. Weder zu Fuß, noch im Schiff hatte ich das Gefühl alles unter Kontrolle zu haben. Zum Glück kann man in den Optionen einiges einstellen, was bedeutend zum Spielgefühl beigetragen hat. Die Steuerung des Gleiters ist aber trotzdem alles Andere als optimal und viel zu sensibel, was bei Rennen manchmal echt zum Geduldspiel werden kann.

Abschließend bleibt mir nur zu sagen, daß mir das Spiel sehr gut gefällt, der Humor und die Geschichte passen und ich es allen empfehle, die auf  Action/Adventures stehen. Wer Beyond Good & Evil mochte könnte auch an Scrapland Gefallen finden. Und wenn man bedenkt, daß das Spiel codefree ist und in der amerikanischen Version schlappe 20€ kostet ist es ja fast schon fahrlässig, wenn man es sich entgehen läßt.

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